Udinese Calcio - Borussia Dortmund, Donnerstag 02.10 .2008
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Eigentlich begann alles am Dienstag Abend. Da wir keine Karten für den Sonderzug bekommen hatten und auch sonst nichts brauchbares mehr zustande kam, war ein Besuch in Norditalien zunächst in weite ferne gerückt. Doch scheinbar ging es mehreren ähnlich, so dass sich kurzerhand über das Fanboard der BvB-Fanabteilung noch 3 einsame Reisewillige aus allen Winkeln Deutschlands zusammenfanden, um irgendwie doch noch beim Wunder von Udine mitwirken zu können. So traf ich mich in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mit Ben aus Westhausen bei Aalen um von dort aus mit einem Mietwagen die Tour zu beginnen. Ben (eine gewisse Ähnlichkeit zu J. Klopp besteht, oder?) hatte zu günstigen Konditionen eine B-Klasse organisiert, so dass man auch einigermaßen bequem und schnell fahren konnte. Erste Station war Landshut, wo ein gewisser Flo abgeholt wurde. Zu dritt nahm die Tour dann ihren Lauf, vorbei an München, Salzburg, diversen italienischen Mautstellen und kostenpflichtigen Tunneln (9.50€) . Alle Tunnel, die umsonst durchquert werden konnten, befanden sich gerade im Bau oder in der Renovierung. Um etwa 09:09 Uhr erreichte man dann die Stadttore von Udine, wo man direkt von der Carabinieri heraus gewunken wurde. Entgegen aller Befürchtungen waren die uniformierten Kollegen jedoch recht nett. Auf die Frage, wie weit Dortmund denn von Udine entfernt sei, antworteten wir "ca. 1000 Kilometer". Der Carabinieri dachte kurz nach, schien sich 1.000 km einige Sekunden lang vorzustellen und nickte uns dann anerkennend zu. Bravo! Danach drückte er uns den Udine-Reiseführer und einen DIN-A4 Zettel in die Hand, der uns zunächst herzlich willkommen hieß und uns zu fairem Verhalten und Sportlichkeit aufrief. Jedoch stand dort wie befürchtet auch etwas von Alkoholverbot. Um genauer zu sein stand dort, dass "das Verkauf und das Verabreichung von alle Alkoholgetraenke wird im ganze Stadt von Udine und in die nachbare Staedte verboten sein" wird. Ob die Angst hatten, dass die Sonderzugbesatzung mal eben in die Nachbarstadt läuft, um sich ne Pulle Bier zu kaufen? Taten sie nicht, aber hatten sie auch nicht mehr nötig, dazu später mehr... Um 09:30 erreichte man schließlich das Stadio Friuli. Wäre uns der Fanclub Bruchhausen-Elleringhausen nicht zuvor gekommen, wären wir wohl die allerersten Besucher am Stadion gewesen. Der Bau war von außen recht unspektakulär, einzig der große Betonbogen über der Haupttribüne ragte heraus. Bruchhausen packte den Grill aus und brachte die deutsche Küche nach Italien. Alle Ticketlosen sammelten sich mit uns auf den rechts im Bild zu sehenden Stufen vor dem Polizeiwagen. Merkwürdige Szenen sollten sich nun abspielen. Zunächst tauchte ein grüner Fiat auf, aus dem zwei Szenekundige Beamte (SKB) aus Dortmund zusammen mit einem Italiener ausstiegen. Ein zweiter Italiener stieß dazu, es wurde diskutiert und anschließend den Bruchhausenern der Grill sowie der Alkohol verboten. Danach kam man zu uns und sagte, es sei noch nicht klar, ob, wann und wie viele Tickets wir noch bekommen sollten. Die Italiener seien sehr nervös, hieß es vom Dortmunder SKB-Beamten, ein dritter behauptete, die italienischen Ultras wollten nach dem Spiel die Dortmunder angreifen. Nun ja. Eine Viertelstunde verging und es folgte eine sehr skurrile Veranstaltung, die sich "UEFA-Sicherheitsbesprechung" nannte. Unsere Beamten, ein italienischer Fanbeauftragter und ein weiterer Italiener, der angeblich die UEFA am Telefon hatte, trafen sich mitten auf der Straße und diskutierten ein paar Minuten. Das Ende der Farce: Die Bruchhausener durften weitergrillen, Bier durfte "im Versteckten" weitergetrunken werden und wir bekamen letztendlich doch unsere Karten. 30 € kostete der Spaß, die Tickets waren für die direkt an den Gästeblock angrenzende "Curva Sud". Auf der anderen Straßenseite trainierten die Kicker von Udine, uns wurde das Zuschauen jedoch verboten. Man hatte laut carabinieri wirklich Angst, wir könnten grausame Sachen singen oder Gegenstände auf den Trainingsplatz werfen. Also wirklich. Wir sind dann zurück zum Auto und haben dort grausame Sachen gesungen. Sehr grausam fand ich "Wir brauchen kein' Ronaldo, wir brauchen keinen Becks, denn wir ham' Florian Kringe, den Fetten mit der Sechs!" Kopf hoch Florian ;) Mittlerweile waren auch weitere Borussen angekommen, mit denen man sich dann gegen Mittag per Bus in die Stadt aufmachte. Dort schlich man ein wenig durch die typischen italienischen Gassen, aß leckere Pizza und ich bekam trotz des stadtweiten Ausschankverbots doch noch mein Bier von dem netten Pizzabäcker (Peroni Bier, bekannt und beliebt aus zahlreichen früheren Büchse-Touren). Um 15 Uhr wollten wir uns eigentlich zum Bahnhof begeben, um die Ankunft des Sonderzuges abzuwarten, jedoch kam uns die Zugbesatzung schon auf halbem Weg entgegen und ersparte uns den Marsch zum Bahnhof. Allem Anschein nach gab es während der Zugfahrt keine Ausschankrichtlinien, da die Zugbesatzung teilweise aussah wie Schützenfest-Montag. Aber gut, wir waren vielleicht nur ein wenig neidisch, hatten aber auch Mitleid, denn die bevorstehende Ausnüchterungskur in der Stadt war wohl auch nicht so witzig. Der anschließende Marsch war ebenfalls ein Highlight. Man muss sich vorstellen, dass ca. 1.000 Mann, auf die der Trupp mittlerweile angewachsen war, einfach den Leuten an der Spitze des Zuges hinterherliefen. Diese hatten aber leider die wenigste Ahnung, wohin sie eigentlich liefen. Nach einigen Durchquerungen der Innenstadt und der Unschönen Plünderung eines Supermarktes befand man sich plötzlich auf der Hauptverkehrsstraße und blockierte den Feierabendverkehr. Dort blieb man dann erstmal eine Stunde stehen, da keiner wusste wohin, die Polizei am allerwenigsten. Ein Teil lief einfach weiter, wurde aber an der Stadtgrenze von der Polizei darauf aufmerksam gemacht, dass man auf diesem Wege zurück nach Österreich laufen würde und besser umdrehen sollte. Vielleicht wollte man ja auch wirklich nur schauen, wie genau es die umliegenden Städte mit dem Ausschankverbot so handhabten. Das versprochene Fanfest fand irgendwie nicht statt, und da wir die Stadt schon gesehen hatten, trennten wir uns dann von der Gruppe und fuhren mit dem Bus zurück zum Stadion, um uns noch ne halbe Stunde im Auto hinzulegen, denn seit Mittwoch morgen hatte keiner von uns mehr geschlafen. Vor dem Spiel kamen wir dann doch noch in den Genuss von ein paar alkoholischen Kaltgetränken, welche die Kollegen im Nachbarauto schlauerweise mitgenommen hatten. Alles natürlich unter den strengen Blicken der allgegenwärtigen Carabinieri, die sich aber dann doch freundlicherweise zurückhielt. Für alle Dortmunder, die noch vor Ort Tickets gekauft hatten, wurde nicht nur ein neuer Block geöffnet, sondern gleich eine ganze Kurve. Die Curva Sud befindet sich direkt neben dem umzäunten Gästebereich und füllte sich bis zum Anstoß mit ca. 150 Borussen, die wie wir alle ohne Tickets angereist waren. Man sammelte sich in der Mitte der Kurve, organisierte eine Art zweiten Stimmungsblock und bekam im Laufe des Spiels sogar einige gute Wechselgesänge mit dem Hauptblock zustande. Die Stimmung während des Spiels war von Anfang an eines Europapokalspiels würdig. Die Heimkurve füllte sich erst recht spät, aber pünktlich zum Anstoß hatten auch die Italiener eine stimmungsvolle Kurve, die eine interesssante Choreo mit Glitzerfähnchen präsentierte. Nach dem 0:1 aus italienischer Sicht kochte die Stimmung und der Glaube kehrte in die Gesichter zurück. Dann das späte 0:2 und die Menge lag sich in den Armen - vergleichbar mit dem 1:1 Ausgleich durch Petric beim Pokalendspiel in Berlin. Leider nahm auch dieses Spiel ein ähnlich bitteren Ausgang wie das Berliner Finale. Die Stimmung in der Verlängerung war bei allen sehr angespannt und kaum jemand war noch in der Lage für geordnete Unterstützung. Es folgte der Elfmeterkrimi, des eigentlich keiner von uns wollte, da Alex Frei schon draussen war und Weide ja bekanntlich nicht als Elfmeterkiller bekannt ist. Die Befürchtungen bestätigten sich und nach 5 Elfmetern pro Team stand Udinese Calcio als Sieger fest. Die Mannschaft wurde trotzdem für die grandiose Leistung gefeiert. Auch wenn man die Gruppenphase nicht erreicht hat, hat man doch seinen angekratzten Ruf nach dem schlechten Hinspiel wieder aufpoliert und an der Sensation geschnuppert. Nach dem Spiel wurde man noch ca. eine Stunde im Block festgehalten, bevor es für die Zugbesatzung mit Sonderbussen zurück zum Bahnhof und für uns zurück auf die Hochstrasse ging. Statt Flo nahmen wir nun zwei Borussen mit nach Salzburg und einen mit nach München, wo die Arroganz-Arena Nachts um 5 Uhr hell erstrahlt in rot leuchtete. Stromsparen scheint in München nicht angesagt zu sein. In den späten Morgenstunden des Tages der Deutschen Einheit (in Österreich gab's einen Radiosender, der wegen des Tages seine morgendliche Show in hochdeutsch moderierte) erreichten wir schließlich wieder Aalen und meine Rücktour nach Trier konnte beginnen. Was sind schon 54 Stunden ohne Schlaf gegen die langen Jahre ohne Europapokal? Ein Dank auch nochmal an unseren Fahrer Ben für sein bemerkenswertes Durchhaltevermögen. Hoffen wir auf eine längere internationale Saison nächstes Jahr, damit ähnlich geile Touren mal wieder öfters möglich sind. Grazie Borussia per che battaglia grandiosa! Stefan --> Hier geht's zu der kompletten Fotogalerie |
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