Paris Saint-Germain - Borussia Dortmund, Donnerstag 04. November 2010

   

Bereits am Abend vor dem Spiel machten sich Pippo und Karsten auf den Weg nach Trier, wo der Trip in die französische Hauptstadt starten sollte. Bei Pizza und Bier wurde das mitreißende Spiel Cluj - Bayern geschaut und Pläne für den nächsten Tag geschmiedet. Nach vielen Überlegungen wurde auf den ursprünglichen Plan verzichten und statt Hotel und Autofahrt doch auf den Bus umgestiegen. Eine Gruppe aus dem Raum Stuttgart sollte uns mitnehmen und uns um 02.30 Uhr Nachts an einer Raststätte an der Grenze zu Frankreich im Saarland aufgabeln. Nachdem wir uns noch eine Stunde aufs Ohr gehauen hatten, ging es um 01.30 Uhr mit dem Auto auf in Richtung Deutsch-Französische Grenze. Um halb drei sollte es da wie gesagt losgehen, doch da wurde die Rechnung wohl ohne den Wirt (in diesem Fall der Bus) gemacht. Deshalb eine chronologische Abfolge:

02.30 Uhr: Ankunft an der Raststätte Goldene Bremm
02.45 Uhr: Es reift der Gedanke, dass man sich die Wartezeit doch mit einem Bierchen vertreiben könnte
02.46 Uhr: Wir kommen zu der Erkenntnis, dass die Regale zwar voll mit Bier sind, aber zwischen 24 und 7 Uhr      kein Alkohol verkauft werden darf. Und das wird auch so durchgezogen.
03.15 Uhr: Wir sitzen Müde zwischen Regalen voll Bier und fragen uns, ob der Bus denn wohl bald kommen mag
03.30 Uhr: Selbst Mitleidige Blicke können das Herz des Tankwartes nicht erweichen
03.40 Uhr:  Karsten wirft einen Euro in den schadenfroh blinkenden Spielautomaten und beweist, dass er wahrlich noch nicht oft an so einer Maschine gesessen hat. 20 Sekunden Spielzeit --> 1 Euro weg. Wahrscheinlich der schlechteste Automatenspieler aller Zeiten. Ich Wette, dass der Bus wohl spätestens um 4 Uhr kommen wird.
04.10 Wette verloren.
04.20 Man überlegt, eventuell nach París zu laufen.
04.30 Unfassbar, aber der Bus erreicht mit zweistündiger Verspätung die Raststätte. Der Tankwart wird mit bösen Blicken verabschiedet.

Die Busfahrt geht recht unspektakulär von statten, schlafen, Pause, schlafen, Pause und so weiter. Besonderheiten der schwäbischen Sprache werden gelernt. Gegen 9 Uhr erreicht man die Außenbezirke von Paris. Es regnet (auf den Witz mit den feuchten Parisern wird an dieser Stelle verzichtet). Gegen 10-30 Uhr wird schlussendlich der Busparkplatz in Stadionnähe angefahren. Die Sonne scheint! Hurra, Hurra die Dortmunder sind da! 

Mit den umliegenden Busbesatzungen machten wir uns nach einigen Bier auf den Weg zur Metro. Auf der Fahrt Richtung Eifelturm traf man noch die Fanbeauftragten, die das schwatzgelbe Fanmobil aus Sicherheitsgründen in Dortmund gelassen hatten und ebenfalls per Bus in die Stadt gekommen waren. Schon hier wurde in Erfahrung gebracht, dass man mit ca. 6.000-7.000 Dortmundern rechnete. Außerdem erfuhren wir auf Nachfrage, dass das alte DO-LL Nummernschild des Fanmobils geklaut wurde und durch DO-FF (für Fan- und Förderabteilung) ersetzt wurde. Also mir gefiel das alte Schild besser.

Zur Mittagszeit erreichten wir also den Eifelturm, in dessen Umgebung die folgenden Stunden verbracht wurden. Die Zeit wurde damit verbracht, Wurfgeschosse in Form von kleinen Eifeltürmen zu kaufen, mit den umherlaufenden Verkäufern afrikanischer Herkunft zu schäkern und schlecht schmeckendes, aber günstiges französisches Bier zu vernichten. Ein schöner Dialog mit einem dieser Verkäufer lief so ab:
Er: "Ahh, Brussia, you are here for match this night? Buy some souvenirs?"
Ich: "No souvenirs, but the match will be great!"
Er: "Ahh, yes, Stade de France!"
Ich: "No, Parc des Princes!"
Er: "Yes, Stade de France! Great!"
Ich: "No, Parc des Princes!".
Das ging dann noch zwei, dreimal hin und her, bevor er dann ging und mich dabei ansah, als hätte ich ihn gerade gezwungen, sein ganzes Jahresgehalt auf eine Meisterschaft der Schalker zu verwetten. Wie dem auch sei, im Anschluss setzten sich ein Mann mit seiner Tochter neben uns auf die Bank, entpuppten sich als Argentinier und symbolisierten lächelnd ein 0:4. Soviel Einsicht hatte ein Bier verdient und wir teilten, zugegebenermaßen gerne, unser französisches Gebräu. Wobei, mittlerweile schmeckte auch das. Neben uns hatte sich zwischenzeitlich noch eine Gruppe niedergelassen, welche für allgemeine Erheiterung sorgte, als einer von ihnen stolz wie Oskar mit 5 Paketen Bier vom Einkaufen zurückkam und stolz verkündete, er hätte das letzte Bier ergattert. Ca. 30 Sekunden war er der Held, bis jemandem auffiel, dass ´sans alkool´ übersetzt nichts gutes bedeutet. Und ihm wurde schlagartig klar, wieso der Verkäufer im Laden so gegrinst hatte. Tja...

Der Platz füllte sich langsam immer weiter und die Stimmung erreichte gegen fünf Uhr seinen Höhepunkt. Einige Fackeln wurden gezündet, dazu gesungen und sich selbst gefeiert. Eine Stunde später machte sich der Mob auf den Weg zur nächsten Metrostation. Da die Anzahl der Leute inzwischen auf mehrere tausend gewachsen war, ergab ich ein beeindruckender Marsch mitten durch Paris, der den Verkehr lahm legte und neugierige Blicke aus den Fenstern und von den Balkonen erntete. Auch hier wieder viel Pyrotechnik und lautstarker Gesang. Das ganze drängelte sich dann natürlich an der Metrostation, ging aber dank guter Disziplin der Masse doch zügig und problemlos über die Bühne. Der Weg von der Metrostation am Stadion ins Stadion gestaltete sich zu einer Zurschaustellung der französischen Polizei. Wasserwerfer, Strassenblockaden, Polizisten mit Flammenwerfer-ähnlichen Gewehren säumten das Straßenbild. An der einen oder anderen Stelle wurde hier die Willkür der Polizei deutlich, so gab es einen völlig überzogenen Pfeffersprayeinsatz gegen unbeteiligte Fans.

Im Stadion wurde dann direkt deutlich, wer hier die Oberhand haben würde. Neben dem Gästeblock sollten ganze 4 Blöcke verteilt im ganzen Stadion von schwatz-gelben Fans bevölkert werden. Die Grundlage für fantastische BvB Wechselgesänge war gelegt. Verpflegungstechnisch hatte man die Wahl zwischen Baguette oder Hot Dogs für jeweils 4,50 Euro, dazu alkoholfreies Dosenbier oder Cola. Ganz große französische Küche also. Hmjam. Wer noch Hunger hatte konnte anschließend die Toiletten besuchen, danach dachte man garantiert für den Rest des Tages an nichts essbares mehr. Auf Fotos wird hier aus Gründen der Menschenwürde verzichtet. Nervig auch der Stadionsprecher/DJ, der vor dem Spiel jeglichen Gesang der Dortmunder damit konterte, dass er die Musikanlage dermaßen laut drehte, dass man meinen konnte in einer Großraumdisko direkt vor der Box zu stehen.

Das Spiel an sich hat ja jeder am Fernsehen verfolgen können. Einer eher schlechten ersten Hälfte folgte eine bessere Zweite mit Chancen auf beiden Seiten. Weidenfeller hielt uns mit super Paraden im Spiel, auf der Gegenseite verpasste Lewandowski in der Schlussminute die Entscheidung, als er aus wenigen Metern den Ball nicht am Pariser Schlussmann vorbeilegen konnte. Schade drum. Die Rückfahrt verlief den Umständen entsprechend eher ruhig, um sieben Uhr kamen wir schließlich wieder in Trier an.

Nun muss Borussia in den nächsten beiden Spielen 6 Punkte einfahren, um die Gruppenphase theoretisch noch zu überstehen. Es könnte dann zum Endspiel in Sevilla kommen, unterstützt wird unsere Borussia dort von Pippo und Jörn, die einen Platz im Fanflieger der Fanabteilung ergattern konnten. Sollte die Stimmung dort auch nur annähernd so sein wie in Paris, kann man sich schon jetzt auf ein unvergessliches Erlebnis freuen.

Stefan

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